Schluss mit Kult: In Oberstaufen gibt es kein Challenger-Tennisturnier mehr

Das ATP-Challenger-Turnier um den Oberstaufen-Cup ist endgültig Geschichte. Sowohl der bisherige Turnierdirektor Hans Hermann als auch der neue Vorsitzende des TC Blau-Weiß Oberstaufen, Alexander Hollfelder, bestätigten, dass es in diesem Sommer keine Neuauflage des beliebten Tennisklassikers im Allgäu geben wird. Und damit auch keine Zukunft. Der Oberstaufen-Cup hatte von 1992 bis 2014 insgesamt 23 mal in Folge stattgefunden und sich in dieser Zeit als eine Art Kult-Challenger in der internationalen Tennisszene entwickelt. Im vergangenen Jahr konnte das Turnier aus finanziellen und organisatorischen Gründen erstmals nicht mehr ausgerichtet werden. Aus der erhofften einjährigen Auszeit wird nun allerdings ein endgültiges Aus.

In Oberstaufen gibt es kein Challenger-Turnier mehr.


„Wir haben definitiv den Schlussstrich gezogen, weil der organisatorische Aufwand nicht mehr zu stemmen war. Uns fehlen einfach zu viele Leute, die weiterhin ihre Freizeit opfern“, erklärt Hans Hermann (67), der seit über 15 Jahren als Vorsitzender der TC Blau-Weiß Oberstaufen auch als Turnierdirektor fungiert hatte und damit die treibende Kraft des Turniers war. Mit dem Ausscheiden von Hermann aus der Vorstandschaft des Tennisclubs ist nun auch das Ende des Turniers besiegelt.

Der Verlust des Oberstaufen-Cups reißt eine Lücke in die Allgäuer Sportlandschaft. Jahr für Jahr hatte das Tennisturnier im Juli viele tausend Besucher in den Bann gezogen und Tenniscracks aus aller Welt ins Allgäu angelockt. Nicht nur viele deutsche Nachwuchsathleten, sondern auch internationale Talente nutzten das Alpen-Challenger als Sprungbrett für ihre Karriere. Dank der familiären Atmosphäre, der traumhaften Alpenkulisse und nicht zuletzt dank der Top-Unterbringung in den Hotels der Drei- bis Vier-Sterne-Superior-Kategorie war das Challenger-Turnier von Oberstaufen bei den Athleten so beliebt wie kaum ein anderes dieser Kategorie. „Bis zuletzt hatten wir in unserer Turnierwoche das bestbesetzte Feld aller Challenger-Turniere. Darauf können wir wirklich stolz sein“, so Hermann.

Weil Großsponsoren im Allgäu fehlen, stand das Turnier bereits in den vergangenen Jahren immer wieder auf Messers Schneide und für Hans Hermann und sein Team war es jedes Mal ein immenser Kraftakt, das Budget von zuletzt bis zu 140.000 Euro aufzutreiben. „Wir hatten viele kleine Sponsoren, die uns unterstützt und so dazu beigetragen haben, dass wir überhaupt so lange durchhalten konnten. Das Gleiche gilt für die Oberstaufener Hoteliers, die für die Unterbringung der Spieler und Offiziellen aufkamen. Diese Unterstützung war genauso wichtig wie die Förderung durch den Landkreis Oberallgäu und die Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH“, erklärt Hermann.

Finanziell wäre die Neuauflage des Oberstaufen-Cups vielleicht zu stemmen gewesen, sagt Hermann, aber nicht personell. Denn in den vergangenen 24 Jahren sind auch die freiwilligen Helfer immer älter geworden und irgendwann auch challengermüde. Hermann: „Wir haben jedes Jahr das Zelt für die Bewirtung der Gäste in Eigenregie aufgebaut. Dazu haben wir immer 15 Mann gebraucht. Von diesen Aufbauhelfern war zuletzt keiner mehr unter 70 Jahre alt. Alle von ihnen waren seit 1992 dabei und haben unermüdlich mitgeholfen. Aber alle von ihnen sind auch froh, wenn sie sich in ihrem Alter diese Schufterei nicht mehr antun müssen.“

Der TC Blau-Weiß Oberstaufen kämpft mit denselben Problemen wie viele andere Tennis- und Sportvereine auch. Es ist immer schwieriger, neue Mitglieder zu generieren und ehrenamtliche Helfer oder Funktionäre zu finden. Das bestätigt der neue Vorsitzende des Clubs, Alexander Hollfelder: „Alles geht leider nicht. Auch ich habe von vorneherein gesagt, dass ich zwar die Nachfolge von Hans Hermann im Verein antreten kann, nicht aber als Turnierdirektor.“

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